4. Oktober 2021

Sind Einmal-Duodenoskope ein Muss?

Da immer mehr Hersteller Einmal-Duodenoskope auf den Markt bringen, legt die Autorin als Hygienikerin ihre Meinung zum Einsatz solcher Geräte dar. Kostenerwägungen und klinische Verwendungen werden kurz erwähnt, jedoch nicht bewertet.

Die Autorin Prof. Dr. Heike Martiny geht in Ihrem Artikel darauf ein, woher die Forderung nach Einmal-Duodenoskopen stammt: Kenntnisse über Übertragungen von Infektionserregern durch Endoskope beruhen zum ganz überwiegenden Teil auf Berichten über aufgetretene Infektionen nach Bronchoskopien und ERCP. Sie werden besonders dann entdeckt, wenn es sich um multiresistente Erreger handelt. Es wird postuliert, dass es von der „Kultur" im jeweiligen Land abhängig zu sein scheint, ob solche Zwischenfälle bekannt werden. Die Autorin schildert, was letztlich zu der im Januar 2016 vom US-Senat veröffentlichten 300-seitigen Bewertung aller bekannt gewordenen 25 Zwischenfälle, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Mehrfach-Duodenoskopen mit fixierter Endkappe standen, geführt hat. Wirkliche Ursachen bzw. eine Aufklärung der Fehler werden im Bericht nicht dargelegt. Aber aufgrund dieser Infektionen nach ERCP und auch der Bewertung durch den US-Senat trat besonders in den USA, aber letztlich weltweit, die Aufbereitung von Mehrfach-Duodenoskopen in den Fokus. In Folge dessen wurden verschiedene (unbelegte) Vorgehensweisen vorgeschlagen, die aber nicht zu sicher anwendbaren Mehrfach-Duodenoskopen führten. Eine Studie von 2018 aus den Niederlanden zeigte erschreckende Ergebnisse bei Mehrfach-Duodenoskopen hinsichtlich ihrer mikrobiologischen Beschaffenheit nach Aufbereitung. Wie in einem MMWR-Bericht der CDC wird auch in verschiedenen weiteren Publikationen gesagt, dass die Herstellerangaben zum Vorgehen bei der Aufbereitung eingehalten wurden. Jedoch zeigt eine kürzlich vorgestellte Studie deutlich, dass, bei genauerem Hinsehen, die sehr detaillierten aber umfangreichen Herstellerangaben eben nicht immer befolgt werden. Es zeigte sich, dass in 23% der Krankenhäuser sehr bedeutsame Abweichungen von den Herstellerangaben festgestellt wurden.

Es wird weiterhin erläutert, weshalb die Sterilität der Einmal-Duodenoskope keinen Vorteil bringt, denn die Standortflora kontaminiert Einmal-Duodenoskope genauso wie Mehrfach-Duodenoskope. Und Mikroorganismen der vorangegangenen Anwendung müssen im Aufbereitungsprozess beseitigt werden. Weltweit wird gefordert, das Design von Mehrfach-Duodenoskopen zu vereinfachen, sodass damit die Aufbereitung einfacher wird. Da die Aufbereitung in Deutschland gemäß § 8 der MPBetreibV erfolgen muss, sind nur validierte Verfahren anzuwenden, bei denen entsprechend qualifiziertes Personal zum Einsatz kommen muss. Es wird darauf hingewiesen, dass von der FDA schon verschiedene Einmal-Komponenten bei Mehrfach-Duodenoskopen zugelassen wurden. Wichtig ist die Anmerkung, dass in vielen Ländern der Welt eine Validierung der Aufbereitungsprozesse nicht gefordert oder das Vorliegen einer solchen nicht kontrolliert wird. Der Betreiber muss die Herstellerangaben umsetzen, ohne den Erfolg nachzuweisen.

Die Autorin fragt zum Schluss, welcher Patient bei geschätzten mehr als zwei Millionen pro Jahr weltweit durchgeführten Untersuchungen ein „sicheres" Einmal-Duodenoskopen bekommen soll? Es wird auf die Nicht-Verfügbarkeit und die Kosten verwiesen. Wer wird diese Entscheidungen treffen und verantworten, zumal dahintersteht, dass die vor Ort stattfindende Aufbereitung nicht vertrauenswürdig ist. Etwas provokativ wird ausgeführt, dass, wenn der Betreiber einer Einrichtung dem Anwender des Mehrfach-Duodenoskops gegenüber die korrekte Aufbereitung nicht garantieren kann, ob dann wohl die anderen Prozesse verlässlich ablaufen.

Vorstellbar seien aber Verwendungen von Einmal-Duodenoskopen z. B. bei einem Verdacht auf (v)CJD oder bei einem Notfall, wenn kein (aufbereitetes) Mehrfach-Duodenoskop zur Verfügung steht, wie es sich in der Bronchoskopie schon bewährt. Die insgesamt 46 Quellen geben dem Leser die Möglichkeit des Nachlesens.

Link zur Endo-Praxis 03/2021